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Von „herzische Kerlscher“, Biohähnchen und einer vielfältigen Literaturlandschaft

am 28.09.2020

„Asterix-Versteher“ und Kabarettist Jürgen Leber erklärt die hessische Welt und lässt Asterix hessisch babbeln

Ronneburg/Wächtersbach (ae). „Hesse sin im Grund genomme ganz herzische Kerlscher.“ Jürgen Leber muss es wissen. Der Mann, der zehn Asterix-Bände ins Hessische übertragen hat, sagt schließlich auch, dass Hessische, das sei „de besde Dialekt von ganz übberall.“ So sehen das auch die 45 Gäste am Freitag abend, die der gemeinsamen Einladung von Reiner Erdts Gasthaus „Zur Krone“ aus Hüttengesäß und der Buchhandlung Dichtung & Wahrheit aus Wächtersbach gefolgt sind. Corona-konform, ausverkauft – und herrlich entspannend in Zeiten, in denen das Lachen oft zu kurz kommt.


Nicht jedoch an diesem Abend: Drei typisch hessische, aber besonders verfeinerte Gänge aus der Landgasthof-Küche wechseln sich ab mit einem humorvollen Programm, das Jürgen Leber mit hessischem Kabarett und einer Lesung aus dem Asterixband „Die Klaabankestadt“ – seinerzeit im Original „Die Trabantenstadt“ - bestreitet. Und gleich eingangs klar macht, was den Hessen so ausmacht: „Wir nehme nicht nur, wir lassen uns auch gern mal was gebbe“, betont der Fachmann, und: „Wenn mir gebbe, gebbe mir gern, aber mir gebbe nix.“ Seinen Spott ergießt Leber über die Menschen, die aussehen wie „Malen nach Zahlen bis oben bis unten“ oder „wie ein vollgekritzeltes Bushäuschen im Odenwald.“ Auch der „Blitzableiter, durch die Nas getackert“, stößt nicht auf seine Gegenliebe. Pasend sei dagegen das Alter von 70, um Vater zu werden. „Da muss man eh nachts drei- bis viermal raus.“ Sei es die Seniorenwohnanlage („Körperwelten reloaded“), die dort jüngst eingerichtete „Seniorenklappe“ analog zur Babyklappe, seien es Personen des öffentlichen Lebens als „Mahnmal für erfolgreiche Bildungsverweigerung“ – nichts, so scheint es, ist vor dem teilweise bissigen Humor des Entertainers sicher.


Der Gesang von Xavier Naidoo: „Der Wachtturm als Hörbuch“, der Marathon im höherem Alter („42 Kilometer – bei mir sind das drei Übernachtungen mit Frühstück“) oder der Genitiv, der angeblich bedroht sei („Bei uns in Hessen net, den hat´s hier nie gegebbe“). Dafür sei der Hesse stets „kurz, knapp, präzise“: Mit „Ei was dann“ und „Des iss des ja“ könne der Hesse stundenlange Gespräche bestreiten.


Nach Vogelsberger Beulches, Biohähnchenbrust aus der Rhön und Rahmpfifferlingen aus dem Spessart ist endlich der Asterix dran. Der hessische. Ein Moment, dem insbesondere die kleine Mia entgegen fiebert. Sie traut sich in der Pause zu Jürgen Leber, um ihn zu fragen, ob sie eine Vorlese-Rolle haben darf. Denn die Lesung ist kein klassisches Vortragen, sondern findet interaktiv mit Sprechrollen und Comic-Heftchen statt, aus denen jeder Vorlesen oder zumindest Mitlesen kann. Und Mia wäre so gerne der Asterix. „Wenn Du Dich meldest, können wir das machen“, schmunzelt Leber. Und so kommt es dann auch. Und da nicht jeder Anwesende „seine“ Figur sogleich erkennt und schon gar nicht jeder des Hessischen so ganz richtig mächtig ist, wird es eine witzige Geschichte, die da erzählt wird: Vom „alde Babbsack“ Julius Cäsar, der „des klaane, gallische Kaff, des wo mir all so guud kenne tun, endgültig platt mache“ will. „Mit Hilfe des Architekten Spachtelhannes soll ganz in der Nähe des römischen Lagers Klaabembelum, also gewissermaßen Dribbdebach, eine neue Siedlung entstehen. Da wo kaa Sachse hause, sollen in Zukunft römische Zuwanderer ein neues Zuhause finden. Die Eigeplackte erweisen sich jedoch schnell als schlappe Jammerlabbe und mit einem ganz speziellen hessischen Charme und viel Dummgebabbel widerstehen unsere Freunde diesem Angriff auf ihre kulturelle Identität...“


Möglich wurde diese Kooperation Gasthaus/Buchhandlung dank der Unterstützung des Fördervereins Buch e.V., dessen Vorstand den Antrag auf Förderung einstimmig genehmigt hat. Im Schreiben des Vereins heisst es: „Haben Sie herzlichen Dank für Ihre Bewerbung: Mit Ihrer Veranstaltung tragen Sie zu Austausch, Diskurs, gemeinschaftlichem Buch-Erleben und einer vielfältigen Literaturlandschaft bei.“ Die Kooperation zwischen Reiner Erdt und dem Buchhändlerpaar Andrea Euler und Stephan Siemon wird fortgesetzt.

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