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Im Schulterschluss gegen die Fluglärmbelastung (von links): Erster Stadtrat Ralf Sachtleber, Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und Stadtrat Andreas Kowol

Gemeinsamer Kampf für mehr Ruhe

am 16.09.2016

Weniger Flugbewegungen gefordert: „Maßnahmen gehen an Bedürfnissen vorbei“

Main-Kinzig. Der Protest in der Rhein-Main-Region gegen die zunehmende Fluglärmbelastung formiert sich weiter. Nun haben der Main-Kinzig-Kreis sowie die Städte Hanau, Maintal und Neu-Isenburg einen gemeinsamen Antrag für die nächste Sitzung der Fluglärmkommission vorbereitet. Klare gemeinsame Forderung: mehr Ruhe in der Nacht durch weniger Flugbewegungen zwischen 22 und 23 Uhr beziehungsweise zwischen 5 und 6 Uhr.
Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler, Hanaus Stadtrat Andreas Kowol und Maintals Erster Stadtrat Ralf Sachtleber, die den gemeinsamen Antrag am Donnerstag (15. September) vorstellten, begründen ihn mit den aus ihrer Sicht „erfolglosen Versuchen, immer mehr Lärm einfach nur anders zu verteilen“. Aktiver Lärmschutz müsse woanders ansetzen. „Die so genannten Lärmpausen haben nie ihrem Namen Ehre gemacht. Mit diesem Modell der Landesregierung hat der Lärm in den Nachtrandstunden nie Pause gemacht. Pause heißt, dass der Betrieb ruht oder deutlich heruntergefahren wird. Genau das ist es, worauf wir mit unserem Antrag nun hinauswollen“, erklärte Simmler.
Stadtrat Kowol bekräftigt, dass sowohl „Lärmpausen“ wie auch „Umverteilung von Lärm“ völlig unangebrachte, schönfärberische Formulierungen seien. „Diese Worte klingen für Hanauer Bürgerinnen und Bürger einfach nur hohl. Wir verzeichnen zu bestimmten Zeiten wesentlich mehr Überflüge, die aber durch das Landesmodell nicht kompensiert werden. Doppelt bitter ist noch, dass kein Eigenheim-Besitzer in unserem Kreis eine Entschädigung oder Unterstützung erhält, wenn er sich gegen diese Mehrbelastung baulich wappnen will“, kritisierte Kowol.
Seit Jahren kämpfen der Main-Kinzig-Kreis und die Stadt Hanau schon für ein echtes Nachtflugverbot, also für das Einhalten der gesetzlichen Nachtzeit von 22 bis 6 Uhr am Frankfurter Flughafen. Hinter dieser Forderung stehe auch die Mehrheit der Mitglieder der Fluglärmkommission, wie Simmler, Kowol und Sachtleber im Rahmen einer Pressekonferenz betonten. Mit der Stadt Neu-Isenburg, deren Bürgermeister Herbert Hunkel zur Präsentation des Antrags verhindert war, bringen sie am Mittwoch, 28. September, nun einen gemeinsamen Antrag ein, mit dem sie der längeren nächtlichen Ruhe in der Region einen großen Schritt  näherkommen würden. „Wir müssen jede Möglichkeit nutzen, unsere Bürgerinnen und Bürger zu entlasten“, sagte Sachtleber. „Wir stellen nicht die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens infrage, wir wollen die Lebensqualität der Menschen wieder erhöhen.“
Der Antrag beinhaltet drei Elemente:
Ø  Das Hessische Verkehrsministerium wird gebeten, die „Möglichkeiten einer Herausnahme oder zeitlichen Umleitung von Flügen aus dem Nachtzeitraum intensiv zu prüfen und in Verhandlungen mit den entsprechenden Fluggesellschaften zu treten“. Insbesondere die morgendliche Randstunde von 5 bis 6 Uhr böte sich an, da es sich bei diesen Flügen um Touristen- und Ultrakurzstreckenflüge handle, heißt es dazu im Antragstext.
Ø  Bei der Vergabe der „Slots“, also der Zeitfenster für Starts und Landungen an die Fluggesellschaften, soll der Flughafenkoordinator seinen Ermessensspielraum stärker unter dem Gesichtspunkt nutzen, den Fluglärm zu reduzieren.
Ø  Die Fluglärmkommission und damit die betroffenen Kreise und Kommunen sollen regelmäßig über die Fortschritte dieser Maßnahmen durch die Behörden informiert werden.
In der Begründung des Antrags weisen der Kreis und die drei Städte darauf hin, dass sie eine lapidare Ablehnung nicht akzeptieren werden. Wörtlich: „Auch wenn den Antragstellern bekannt ist, dass ein internationaler Großflughafen auf eine möglichst lange Betriebszeit angewiesen ist, stellt sich die Frage, inwieweit bei einer Abwägung mit den Gesundheitsinteressen einer Vielzahl von Bewohnern der Region eine zeitliche Verschiebung von Starts und Landungen möglich ist.“ Die vier Kommissionsmitglieder Simmler, Hunkel, Kowol und Sachtleber wollen insbesondere die Kurzstrecken-, Cargo- und Touristenflüge prüfen lassen, die nicht so zeitsensibel sind. Aber auch die Langstreckenflüge sollen einzeln bewertet werden.
„Die Zeit ist längst reif für mehr wirksamen, aktiven Lärmschutz“, konstatierte Simmler. „Wir doktern schon zu lange nur an den Symptomen herum und diskutieren eher, welcher Region noch mehr Lärm  zugemutet werden soll. Das geht komplett an den Bedürfnissen der Menschen vorbei“, so die Erste Kreisbeigeordnete. Stadtrat Kowol ist überzeugt, dass neben dem Main-Kinzig-Kreis, Hanau, Maintal und Neu-Isenburg noch weitere Kreise und Kommunen den Antrag unterstützen werden. Die Einrichtung einer Stabsstelle für Fluglärm in der Stadt Frankfurt wertet er als Zeichen, dass auch die Mainmetropole selbst noch mehr Nachdruck in den Kampf gegen Fluglärm bringen wird. „Darüber hinaus reißen die Klagen aus anderen Kommunen nicht ab, die zwar Nutznießer der ‚Lärmpausen‘ sein sollten, aber deren Einwohner wenig davon spüren. Wir müssen übereinkommen, dass wir mehr Lebensqualität für alle nur schaffen, wenn wir sie uns als Region gemeinsam erkämpfen“, so Kowol.
Die Anträge sind in dieser Woche bereits vom Magistrat der Stadt Hanau (Montag) sowie dem Kreisausschuss (Dienstag) beschlossen worden. Am 28. September befasst sich die Fluglärmkommission damit.

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