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Bad Orber Blättche
Unterwegs im Orber Wald. Das Wild fühlt sich hier zuhause. Nahezu ungestört. Wanderer und Mountainbiker sind auf den etwas abseits liegenden Wegen Richtung Jossgrund absolute Seltenheit. Jäger übrigens auch.

Schwein gehabt an Ostern

am 06.04.2015

(M)eine ganz persönliche Ostergeschichte

von Ralf Baumgarten
Was gibt es Schöneres, als an einem (fast) arbeitsfreien Tag die Laufschuhe zu schnüren und eine längere Runde durch den Orber Forst anzugehen? Raus, bevor es auf den Wald- und Wanderwegen wieder von „Luftschnappern“ nur so wimmelt. Und wenn dann auch noch Ostern ist, die Luft zwar kalt, aber schon frühlingshaft überwältigend gut riecht, dann grenzt schnödes Stubenhocken schon fast an ein Verbrechen. Eine meiner üblichen Runden führt mich von der Wohnung aus über die Küppelsmühle, oberhalb des Wildparks vorbei durch den Wald bei stetiger Steigung Richtung Horst, ehe die Kreisstraße überquert und ein Höhenweg genommen wird, der mich Richtung Parkplatz Sieben Wege und anschließend zum Starkasten führt. Von dort aus trabe ich durch‘s malerische Tal auf dem „Brückchenweg“ nach Hause. Ca 400 Höhenmeter, knapp über 18 km, je nach Jahreszeit zwischen 1.45 und 2 Stunden Dauer.
Unterwegs gibt es allerlei zu sehen. Nach vielen Jahren kenne ich im Wald die Ecken, an denen mir Rotwild, Greif- und Singvögel begegnen. Je nach Witterung und Jahreszeit erkenne ich mittlerweile schon am Geruch, ob sich Rehe oder Wildschweine in der Nähe befinden. Während Erstere zumeist aber sehr ruhige Zeitgenossen sind und sich durch mich fast nicht aus der Ruhe bringen lassen, verhalten sich Wildschweine immer anders, als von mir erhofft.
Gestern beispielsweise. In früheren Jahren waren Wildschweine auf meinen Runden durch den Forst eher eine Ausnahme. Ich traf sie zumeist im Haseltal, wenn sie die Straße Richtung Haselbach überquerten. Gelegentlich auch rund um den Golfplatz nahe Villbach. Dies zumeist ganz früh morgens oder später abends zur Dämmerung.
Das hat sich geändert. Von Jahr zu Jahr nimmt die Zahl der Schwarzkittel in unserem Forst zu. In meinen Augen: senkrecht. Auffallend dabei ist, dass sich besonders der Bereich unterhalb des Sieben-Wege-Parkplatzes in Richtung Golfplatz als auch Richtung Starkasten als Sammelplatz für große und kleine Wildsäue besonderer Beliebtheit erfreut. Nach vielen Begegnungen in den Vorjahren gestern nun ein Highlight.
An einer relativ lichten Stelle oberhalb des Weges (ca eineinhalb Kilometer entfernt der Kreisstraße zum Golfplatz, höre ich plötzlich ein lautes Rascheln und Stampfen. Eine riesige Wildsau rennt keine 50 Meter von mir entfernt entlang des Weges, überholt mich und überquert dann den Weg talwärts, 100 Meter vor mir. Ein Blick zu mir, es rennt wieder los. Unterhalb meines Weges auf mich zu, immer parallel meiner Strecke. Keine 100 Meter hinter mir stoppt die Sau plötzlich wieder, dreht sich zu mir um, betrachtet mich und startet erneut durch. In meine Richtung natürlich. Blick zu mir, dann leicht talwärts. Noch ein Blick, weiter bergab. Von vorne nähern sich zwei Wanderer. Denen zeige ich noch die entschwindende Mammutsau. Sie hatten das Getrampel durch den Wald vernommen und hatten es nun doch etwas eiliger...
Im Ernst: Ich hatte im Orber Wald schon viele Begegnungen mit allerlei Tieren. Aber eine solche Wildsau habe ich definitiv noch nie gesehen. Riesig groß, tiefschwarz, absolut auf mich fixiert, geschätzt mindestens 250 Kilo Kampfgewicht. Dass mir die Haare zu Berge stehen (okay, so viele sind es eh nicht), passiert selten...
Dagegen war die zweite Begegnung zwei Kilometer und zehn Minuten später fast schon Kindertheater. Wieder Trampeln im Wald, sehe eine weitere Wildsau. Braun, ausgewachsen, aber bestenfalls eine Miniaturausgabe des Schwarzkittel-Mutanten davor. Dann noch eine Sau. Plötzlich - wieder knapp vor mir - brechen drei ausgewachsene Säue aus dem Dickicht und rennen Richtung Wegscheide bergauf. Aufgereiht folgt ein ganzes Dutzend kleiner Ferkelchen, eins nach dem anderen im Abstand von jeweils nur wenigen Metern. Abschließend noch drei erwachsene Tiere. Eine letzte Wildsau bleibt unterhalb des Weges und beobachtet mich. „Ein bißchen Spaß muss sein“, denke ich mir, und laufe los, praktisch zwischen der Rotte und dem Wächterschwein hindurch. Bewaffnet mit meinem alten Iphone. Das wird mich zwar nicht gegen die dolchlangen Keilerhauer beschützen, aber ein letztes Selfie kann ja nicht schaden. Mein Versuch, den Lauf durch die Horde filmisch festzuhalten, scheitert kläglich. Als Dokumentarfilmer versage ich komplett. Frage mich bei der Gelegenheit, wie ein Andreas Kieling das macht. Bekomme heute noch einen Lachkrampf, wenn ich an die Szene denke, in der er auf seiner Reise durchs „wilde Deutschland“ einer Wildsau im Wald begegnet (die ach so wilde Sau ließ sich von ihm, auf dem Rücken liegend, grunzend kraulen...). Einen weiteren Kilometer weiter eine dritte Begegnung - diesmal kann ich die Wildschweine nur hören, verzichte aber auf eine nähere Bekanntschaft.
Rehe - die ich seit vielen Jahren fast ausnahmslos im Wald sehe - treffe ich von Lauf zu Lauf weniger. Am Ostersonntag nicht ein einziges. Wundert mich nicht. Rehe knabbern an Rinde, vernichten hektarweise kostbaren Baumbestand und schmecken lecker. Außerdem macht sich ein Hirschgeweih über dem Kamin viel besser als ein Wildschweinschädel. Rehe sind einfach Störenfriede in der von vielen Förstern und Politikern angestrebten Industriefläche Wald. Schweine hingegen nicht. Die scheinen sich im Orber Forst sauwohl zu fühlen und vermehren sich recht ungestört. Wahrscheinlich sehe ich das mal wieder so richtig falsch - aber da kommt ein großes Problem auf uns zu. Zwei Begegnungen dieser Art am hellichten Tag (nicht zur Dämmerung oder zum Sonnenaufgang) und mindestens eine davon mit einem ordentlichen Gefahrenpotential sind ein deutliches Signal. Hier kommt etwas auf uns zu. Dagegen sind die Wölfe im Forst Richtung Ahl oder der Luchs (die Luchse?) nahe unserem Wildpark nur Kleinkram.

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