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Die Delegation des Main-Kinzig-Kreises zu Besuch in der Westukraine, hier mit den Gastgebern und dem Ukrainischen Volksmusik-Ensemble. Orbs Erster Stadtrat Tobias Weisbecker: Sechster von rechts.

Delegation des Main-Kinzig-Kreises zu Gast in Pustomyty

am 13.03.2015

Erster Stadtrat Tobias Weisbecker auf Mission in der Ukraine

Main-Kinzig-Kreis. Auf Einladung des Rajonvorstehers Viktor Babiy, war vor einigen Tagen  eine Delegation des Main-Kinzig-Kreises in dem ukrainischen Bezirk Pustomyty zu Gast. Mit der Region im Westen der Ukraine besteht eine Freundschaft, deren Grundstein vor einigen Jahren gelegt wurde im Zusammenhang mit  der Partnerschaft, die der Main-Kinzig-Kreis mit dem Kreis Lublin in Polen pflegt. Der Kreis Lublin ist partnerschaftlich ebenso mit dem Bezirk Pustomyty in der Ukraine verbunden. Auf dieser Grundlage entstand in Form von Schüleraustauschen, insbesondere mit der Kopernikus-Schule in Freigericht, eine Schulpartnerschaft. Eine Delegation aus Pustomyty nahm im vergangenen Jahr auch an den Feierlichkeiten zu „40 Jahre MKK“ teil.
In Vertretung des Landrats Erich Pipa waren der Kreisbeigeordnete Matthias Zach, der Vorsitzende des Kreistages Rainer Krätschmer und die Kreistagsmitglieder Uta Böckel, Manfred Jünemann, Alexander Noll, Bert Rüdiger Förster, Andreas Müller und Tobias Weisbecker sowie der Partnerschaftsbeauftragte Karl-Heinz Schmitt angereist.
In ihren Grußworten während einer Feierstunde mit den Vertretern der Rajon- (Bezirks-) Verwaltung überbrachten Matthias Zach und Rainer Krätschmer die Grüße von Landrat Erich Pipa. Sie hoben die besondere Bedeutung der Kontaktpflege hervor. Die Schüleraustausche mit der Kopernikusschule in Freigericht-Somborn seien ein sehr gutes Beispiel für Verständigung und Freundschaft.  Die Kontaktpflege ist eine wichtige Voraussetzung für vertrauensvolle Zusammenarbeit. Gerade weil sich die Ukraine momentan in einer Krise befindet, „ist es wichtig die Freundschaft zu verstärken und die Kontakte zu intensivieren“, sagte Matthias Zach.
Bezirksvorsteher Babiy und einige Abgeordnete des Bezirksparlamentes informierten die Besucher aus Deutschland über die schwierige Situation in ihrem Land und die Auswirkungen des Krieges auch in ihrem Bezirk. Der Wunsch nach Frieden und Unabhängigkeit stand dabei im Vordergrund. Auf die Erwartungen der Gastgeber, Deutschland möge die Ukraine auch militärisch unterstützen, war sich die gesamte Delegation in ihrer Antwort einig, dass sie nur humanitäre Hilfe in Form von Unterstützung für die Krankenhäuser und medizinische Betreuung geben könnten – eine militärische Unterstützung in diesem Konflikt könne der Kreis nicht geben. Dafür sei er die falsche Adresse und zudem würde, nach Meinung der Delegation, eine Unterstützung in dieser Form den Konflikt nur anheizen. „Die Annexion der Krim“, so Delegationsleiter Matthias Zach, „durch Russland war falsch und rechtfertigt allerdings aus meiner Sicht keinen militärischen Gegenschlag."
Der Bezirk Pustomyty grenzt unmittelbar an die Stadt Lemberg (Lwiw), ist knapp 1.000 Quadratmeter groß und hat 115.000 Einwohner, verfügt über 66 Schulen, 24 Kitas und zwei Krankenhäuser. Die Delegation hatte auch die Möglichkeit mehrere Schulen, einen Kindergarten und ein Krankenhaus zu besichtigen. Dabei standen die Begegnungen mit den Kindern und Jugendlichen im Vordergrund, die den Gästen aus Deutschland stolz ihre Sprachkenntnisse präsentierten und in deutscher Sprache von ihrem Schulalltag berichteten.
Begeistert zeigte sich die Delegation aus dem Main-Kinzig-Kreis über die sehr aufmerksame Betreuung durch die Gastgeber und die herzliche Aufnahme. Zu den kulturellen Höhepunkten zählten ein Konzert und eine Führung durch Lembergs Altstadt. Ein Ensemble der Musikschule sang und spielte auf der Bandura ukrainische Volksweisen. Die Bandura ist eine ukrainische Lautenzither mit 62 Saiten. „Mit dem kleinen Konzert geben wir einen Einblick in die Seele der Ukraine“, erzählten die Akteure.
Mit 734.000 Einwohnern zählt Lemberg zu den größten Städten in der Ukraine. Die Altstadt zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist geprägt vom Zusammenleben mehrerer Völker. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts fiel Lemberg an Polen und gehörte mehrere hundert Jahre zur polnisch-litauischen Adelsrepublik. Nach der ersten Teilung Polens fiel es an Österreich und nach dem Ersten Weltkrieg wieder an Polen. Von 1945 an gehörte es zur Sowjetunion und seit 1991 zur Ukraine. Bis ins 20. Jahrhundert gab es neben einer polnischen Bevölkerungsmehrheit einen großen Anteil jüdischer, ukrainischer, deutscher und armenischer Bevölkerung. Heute leben hier fast ausschließlich Ukrainer. Während der Fußball-Europameisterschaft 2012 war Lemberg ein Austragungsort der Spiele.  Auch die Besichtigung des Stadions war Teil des Programms. Hier spielte vor einigen Wochen der FC Bayern gegen die „Bergarbeiter“ Donezk und bei der EM 2012 Deutschland gegen Dänemark.
Am Ende der Reise stand fest, dass die vielen Eindrücke und Anregungen auf der Basis von Schüleraustauschen und kultureller Begegnungen zum weiteren Ausbau des Kontaktes und der Entstehung freundschaftlicher Beziehungen fortgesetzt werden können. „Eine Freundschaft ohne Vertrag“, ist das Fazit  Viktor Babiys. „Für uns entsteht aus dieser Freundschaft eine große Verpflichtung zu humanitärer Hilfe“, stellt Kreisbeigeordneter Matthias Zach abschließend fest.

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