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"Kinder nicht als Versuchskaninchen benutzen"

am 04.09.2020

Freie Wähler Brachttal stellen Forderungen – eklatante Mängel im System

Brachttal (FW/tg). "Wir möchten nicht mehr weiter zu schauen, wie unsere Kinder unnötigen Gefahren im Schulalltag ausgesetzt werden, weil Entscheider ihrer Verantwortung nicht nachkommen". Freie Wähler Brachttal ergreifen erneut die Initiative in einem unangenehmen Thema und kritisieren den Main-Kinzig-Kreis, aber vor allem die hessische Landesregierung und das Bundesverkehrsministerium.

"Es darf nicht sein, dass Schulbusse in Zeiten der Corona-Pandemie täglich völlig überfüllt, regelrecht vollgestopft werden. Die Busse werden regelmäßig derart überfüllt, dass der Ein- und Ausstieg an den Haltestellen zu einem Kampf Kind gegen Kind wird. Damit verbunden ist das Wegschauen der Verantwortlichen bezüglich der Durchmischung von Schülerinnen und Schüler verschiedener Klassen und sogar Schulen", teilen die Beobachter der FWB mit. In den Klassenräumen, auf dem Schulhof werden die Schülerinnen und Schüler wieder scharf nach Klassen separiert, um bei möglichen Infektionen genauer abgrenzen zu können bzw. die Ansteckungsgefahr zu reduzieren. „Das sind doch Schildbürgerstreiche“, werden die Freien Wähler Brachttal deutlich.

Wer COVID-19 berechtigterweise als eine ernstzunehmende Viruserkrankung anerkenne, deshalb auch im schlimmsten Fall mit schweren Langzeitschädigungen an Organen der Patienten rechnet, könne so nicht handeln. Folglich müsse die Anzahl der Busse in der Schülerbeförderung erhöht und aufgrund der räumlichen Situation vielleicht an sehr vielen Schulen die Klassenstärken reduziert werden.

Wissenschaftliche Erkenntnisse, wonach Kinder wesentlich weniger gefährdet sind bzw. weniger Gefahr im Sinne einer COVID-19 Erkrankung verbreiten können, liegen derzeit nicht vor. Eine Impfung ist auch in den kommenden Monaten nicht zu erwarten. Folglich sind organisatorische Zwischenlösungen mit teils nachhaltigem Charakter nötig.

Die Pandemie zeigt auch hier schonungslos die politischen Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte auf. Sie habe auch gezeigt, dass bei allen Belangen der Wirtschaft, umfassend und umgehend reagiert und gehandelt werden könne. "Wir möchten, dass jetzt im Sinne unserer Zukunft – das sind unsere Kinder – gehandelt wird".

Die Freien Wähler Brachttal verweisen an dieser Stelle auf die absurden Regelungen des § 21a der StVO, wonach auch die Anschnallpflicht in Bussen geregelt wird. Darin wird festgeschrieben, dass Reisebusse über sogenannte Rückhaltesysteme verfügen müssen und diese zu nutzen seien. Während dieser Paragraph für die Kraftomnibusse verfügt, dass die Beförderung stehender Fahrgäste zugelassen ist, wird gleichzeitig auch die Befreiung von der Anschnallpflicht zugelassen. Im Sinne der Verkehrssicherheit sollte hier der Handlungsbedarf erkannt werden und eine Anschnallpflicht für Kraftomnibusse eingeführt werden. "Diese Anpassung ist überfällig und daher käme sie in der Pandemie genau aus diesen beiden Gründen zum richtigen Zeitpunkt. Prinzipiell könnte sogar so weit gegangen werden, dass Empfehlungen von Unfallforschern aufgenommen und versuchsweise Schulbusse farblich anders gekennzeichnet würden, um den Verkehrsteilnehmern eine erhöhte Aufmerksamkeit zu signalisieren. In anderen Nationen wird das erfolgreich praktiziert, was zu sinkenden Unfallopferzahlen beförderter Schulkinder führte."

Ein weiteres Thema ist die Klassenraumgröße und die Belüftung der Räume. Aktuell mag eine dauerhafte Belüftung durch offene Fenster noch möglich sein. "Sind wir aber im Herbst, stellt sich die Frage, welche Kinder sollen vor den geöffneten Fenstern sitzen. Raumlufttechnische Anlagen, die einen Luftaustausch ermöglichen würden, sind selten vorhanden und außerdem meist unzureichend wirksam. Folglich bliebe die Verringerung der Klassenstärke, womöglich in Verbindung mit einer Reduzierung der Dauer einer Schulstunde auf beispielsweise 30 Minuten, um dann eine circa 15minütige Lüftung zu ermöglichen. Das würde sicherlich zu weiteren personellen Engpässen in der Lehrerschaft führen."

Alternativ daher ein neuer Lösungsvorschlag, wofür Freie Wähler Brachttal auf eine Veröffentlichung der Universität der Bundeswehr München vom 5. August 2020 hinweisen. Hiernach „... besteht die Möglichkeit die Aerosolpartikel im Raum mittels Filterung abzuscheiden [...]. Das freie Lüften mittels Fenster ist oft nicht effizient und spätestens im Winter nicht mehr möglich ohne Energie zu verschwenden und die Gesundheit sowie das Wohlbefinden der Menschen zu gefährden. [...] Die Ergebnisse zeigen, dass die Aerosolkonzentration in einem Raum mit einer Größe von 80 m2 innerhalb kurzer Zeit überall auf ein geringes Maß reduziert werden kann. Damit stellen Raumluftreiniger mit großem Volumenstrom und hochwertigen Filtern der Klasse H14 aus unserer [der Bundeswehr] Sicht eine sehr sinnvolle technische Lösung dar, um in Schulen, Büros, Geschäften, Wartezimmern, Gemeinde- und Vereinshäusern, Aufenthalts- und Essensräumen etc. die indirekte Infektionsgefahr durch Aerosole stark zu verringern. Sie können aber auch in Gebäuden mit raumlufttechnischen Anlagen unterstützend eingesetzt werden, in denen Menschen zusammenstehen (Wartebereich) und gemeinsam arbeiten oder in denen aufgrund der Arbeitslast viel Aerosol ausgestoßen wird“.

Diese Lösung bietet eine größere Sicherheit hinsichtlich der Gesunderhaltung von Kindern und Lehrerschaft sowie eine erhebliche Kostenreduzierung im Gesundheitssystem. Die Behandlungskosten für einen schwer an COVID-19 erkrankten und intensivmedizinisch versorgten Menschen können schnell im sechsstelligen Bereich liegen. "Aus dem Fenster heizen ist zu teuer und wenig umweltfreundlich. Daher sind Investitionen in hochwertige Luftfiltersysteme in jedem Fall vorzuziehen."

Auch die Frage der Nachmittagsbetreuung bzw. der Teilnahme der Grundschule Brachttal am Pakt für den Nachmittag solle nunmehr endlich einmal geklärt werden, so die Freien Wähler. Die Frage nach den in Größe und Technik ausreichenden Räumlichkeiten konnte noch immer nicht geklärt werden. Der Main-Kinzig-Kreis habe außerdem entgegen seinen Bekundungen noch immer kein schriftliches Kaufangebot für die Alte Post vorgelegt, welches in den Gremien der Gemeinde Brachttal hätte beraten werden können. "Auch hier sind größere Räume, Belüftungs- und Filtersysteme dringend erforderlich, um für eine zukunftsfähige Schülerbetreuung gerüstet zu sein." Die Wiederaufnahme der Gespräche und Verhandlungen sind für die Freien Wähler Brachttal im Sinne ihrer Gemeinde unabdingbar.

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