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Der Kahlschlag im Flörsbachtal hat begonnen. Bild: Münch

"Gegenwind": "Schutz der Spessartwälder gegen Abholzung ist der beste Klimaschutz"

am 08.07.2019

Von Heinz Josef Prehler, Vorsitzender des "Gegenwind Bad Orb e.V.

Bad Orb / Flörsbachtal / Main-Kinzig. Aus aktuellem Anlass berichtet der Verein Gegenwind Bad Orb nachfolgend von Forschungsergebnissen, welche derzeit international Aufsehen erregen. Aktueller Anlass sind die Vorbereitungen der Windkraftfirma Juwi zur Verlegung von Stromkabeln von den geplanten Windkraftanlagen „Flörsbachtal Roßkopf“ zur Trafostation an der Eisernen Hand. Die Arbeiten sollen noch im Juli beginnen. Ab Oktober sind die Waldrodungen für die sechs Windkraftanlagen geplant. Bis zu einem Hektar wertvoller Wald werden je Anlage geopfert. Die Rodung von Wald zum Bau von Windkraftanlagen ist für den Klimaschutz kontraproduktiv. Forscher der ETH Zürich* schreiben, dass zwei Drittel der von Menschen verursachten Kohlendioxid-Emissionen durch die weltweite Aufforstung von Wäldern aufgenommen werden könnten. Die Aufforstung von 900 Millionen Hektar Wald sei die effektivste Maßnahme gegen den Klimawandel.

Entgegen dem erbitterten Widerstand vieler Bewohner im hessischen Spessart genehmigte das Regierungspräsidium Darmstadt den Bau von sechs Windkraftanlagen bei Flörsbachtal. Derzeit wird dieses Projekt beklagt und es wird das Urteil des Verwaltungsgerichts Frankfurt abgewartet. Parallel dazu soll auf der Basis einer unabhängigen Genehmigung noch in diesem Monat mit der Verlegung der Kabelverbindung zum Umspannwerk Eiserne Hand begonnen werden. Juwi hat sich einen Weg gesucht, der hauptsächlich über Gelände von Hessenforst führt. Die Anlagen bei Flörsbachtal werden der Türöffner für viele weitere Anlagen im Spessart sein. Im hessischen Teil des Spessarts sind 3,2 Prozent bzw. ca. 2300 Hektar für Windkraftanlagen auf 28 Vorrangflächen freigegeben worden. Hunderte von Hektar Wald könnten gerodet werden.

Das Crowther Lab an der ETH Zürich forscht an naturbasierten Lösungen für den Klimawandel. In einer neuen Studie zeigten die Forschenden auf, wo auf der Welt neue Bäume wachsen könnten und wie viel Kohlenstoff sie speichern würden. Städte und landwirtschaftliche Flächen sind vom Potenzial zur Wiederaufforstung ausgeschlossen, denn diese Gebiete werden von Mensch anderweitig benötigt. Die Forschenden berechneten, dass unter den aktuellen klimatischen Bedingungen die Erde mit rund 4,4 Milliarden Hektar Wald bedeckt sein könnte. Das sind 1,6 Milliarden mehr als die derzeit vorhandenen 2,8 Milliarden Hektar. Von diesen 1,6 Milliarden Hektar erfüllen 0,9 Milliarden Hektar das Kriterium nicht von Menschen genutzt zu werden. Derzeit stünde also ein Gebiet von der Größe der USA für die Aufforstung zur Verfügung. Einst herangewachsen, könnten diese neuen Wälder 205 Milliarden Tonnen Kohlenstoff speichern. Das sind etwa zwei Drittel der 300 Milliarden Tonnen Kohlenstoff, die seit der industriellen Revolution durch den Menschen verursacht in die Atmosphäre gelangten.

ETH-Professor Tom Crowther, meint dazu: „Wir alle wussten, dass die Aufforstung der Wälder einen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten könnte, aber bislang war unklar, wie groß der Effekt wäre. Unsere Studie zeigt deutlich, dass Flächen zu bewalden derzeit die beste verfügbare Lösung gegen den Klimawandel ist. Allerdings müssen wir schnell handeln, denn es wird Jahrzehnte dauern, bis die Wälder reifen und ihr Potenzial als natürliche CO2-Speicher ausschöpfen.“

Wälder binden nicht nur Kohlenstoff. Wälder bieten eine Vielzahl von zusätzlichen Vorteilen, darunter eine verbesserte Biodiversität, eine verbesserte Wasserqualität und eine geringere Erosion. Schätzungen, wie viel die Aufforstung von 900 Millionen Hektar Wald kosten würde, variieren, aber basierend auf Preisen von etwa 0,30 Dollar pro Baum, sagt Crowther, dass es etwa 300 Milliarden Dollar sein könnten. Das sind rund ein Viertel der einen Billion Euro, welche der derzeitige deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier bereits vor Jahren für die Deutsche Energiewende vorhersagte.

Im Spessart drohen genau konträre Maßnahmen, es wird CO2-bindender Wald gefällt. Ein Hektar Wald speichert pro Jahr über alle Altersklassen hinweg ca. 10,6 Tonnen CO2. Bei einer Laufzeit der sechs Windkraftanlagen bei Flörsbachtal von 25 Jahren werden folglich zusätzlich über 1500 Tonnen CO2 an die Atmosphäre abgegeben. Die sogenannten Ausgleichsmaßnahmen werden diese zusätzlichen Emissionen nicht annähernd ausgleichen.

Die Natur selbst zeigt uns Möglichkeiten auf, Klimaschutz, Naturschutz und Heimatschutz in Einklang zu bringen. Natürlich sind daneben weitere Maßnahmen zur CO2-Reduktion erforderlich. Deshalb der Appell an die politisch Verantwortlichen: "Verbleibt nicht in Euren Fraktionszwängen. Besteht nicht auf Euren überholten Beschlüssen wie dem Energiegipfel 2012 und der damit verbundenen Waldzerstörung. Wendet Euch den natürlichen Chancen zu, welche die Natur bietet und unterbindet die ideologiegetriebene Waldzerstörung."

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