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Pro Wächtersbach diskutierte über mögliche Ausgleichsmaßnahmen

am 04.06.2019

Annika Herchenröther: "Wir wollen das Möglichste für unser Kinzigtal herausholen“

Wächtersbach (ae). Eine Fülle guter Ideen, interessierte und engagierte Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Parteien, die an einem Strang ziehen – Annika Herchenröther und Andrea Euler vom Vorstand von Pro Wächtersbach zeigen sich sehr zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung am vergangenen Samstag, die einer Diskussion über mögliche Ausgleichsmaßnahmen gewidmet war. Nach den Sommerferien wird die Bahn zur Teilnahme an mehreren Arbeitsgruppen einladen, die sich diesem Thema widmen – schließlich muss die neue Trassenführung zwischen Hanau und Fulda von einigen Ausgleichsprojekten ergänzt werden. „Es ist uns wichtig, da mit einer Vielzahl an sinnvollen Vorschlägen das Möglichste für unser Kinzigtal herauszuholen“, so Annika Herchenröther.

An Unterstützung mangelte es nicht: Der Umweltbeauftragte Matthias März erklärte sich spontan bereit, im Vorfeld Insektenhotels zu bauen, die dann am Aktions-Vormittag zu Ende gebohrt, gebaut und mit Bambusröhren und Schilfhalmen versehen wurden. Fast 40 Stunden seiner Zeit opferte er im Vorfeld den zehn Hotels, von denen der Verein nun noch drei übrig hat und zum Preis von 30,- Euro / Stück anbietet (info(at)prowächtersbach.de). Finanzielle Unterstützung bekamen März, der einen großen Teil der Kosten selbst trug, und der Verein von der Heilpraktikerin für Psychotherapie, Heidi Muth. Beide waren zudem am vergangenen Samstag vor Ort, um beim Fertigbauen der Nützlingshäuser zu assistieren. Für die jüngeren Gäste war es zudem spannend, mit Annika Herchenröther aus tönernen Blumentöpfen, bunten Schnüren und leuchtenden Farben hübsche „Ohrkneiferparadiese“ zu basteln.

Unterstützung und fachliche kompetente Hilfe fand der Verein in der NABU-Ortsgruppe, die mit mehreren Vertretern vor Ort war und unter anderem für eine Renaturierung des Kinzig-Altarms plädierte. „Das  fordern wir schon viele Jahre“, sagt Vorsitzender Karl-Richard (Charlie) Licht. „Wir wurden und werden hierzu auch unterstützt mit tatkräftiger Hilfe der Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA).“ Anhand von Bildern erläutert er, dass sich eine Insel bilden würde,  die sich von einem Feuchtwiesenbereich nach und nach in einen Auwald wandeln würde. Dieser Inselbereich werde zuerst infolge der nun entstandenen Abgeschiedenheit zu einem Rückzugsort für die inzwischen in der Aue selten gewordenen Braunkelchen, Wiesen-pieper und Bekassinen darstellen. Mit der Zeit entstünden typische Weichholzgewächse mit Weiden, Erlen und heimischen Pappelarten. Dort werden sich die ersten Bewohner eines entstehenden Auwaldes ansiedeln, hierzu gehören beispielsweise Mönchsgrasmücken, Blaukehlchen und Schwanz- und Beutelmeisen.

Mit den höher werdenden Laubhölzern kämen Schwirle und Zilpzalp und mit etwas Glück auch der amselgroße Pirol hinzu. „Abgesehen von den Vorteilen für die entstehende Flora und Fauna, biete der entstehende Auwald einen hervorragenden Hochwasserschutz. Die Fließgeschwindigkeit werde bedeutend herab gesenkt, die Weichhölzer halten das Hochwasser länger zurück und reinigen und verbessern das Grundwasser“, erläutert Licht auf Nachfrage.

Auch die Grüne Wächtersbacher Bürgerliste und die Linken zeigen sich vor Ort und brachten sich mit Vorschlägen ein. Ebenfalls anwesend war Christian Behrendt vom Fahrgastverband Pro Bahn & Bus. In Gesprächen mit den Vereinsmitgliedern und der interessierten Bürgerschaft wurden Details wie etwa die Einrichtung einer „Grünen Brücke“ über die Autobahn und ggf. auch über Teilstrecken der Bahn besprochen. Diese Querungshilfen sollen Wildtieren in ihrer Größe artgerechte Lebensräume ermöglichen, die derzeit vorherrschende Zerschneidung ihrer Lebensräume mindern. Auch an die Amphibien wird in dem Zusammenhang gedacht: Amphibientunnel mit Leiteinrichtungen sollen ihnen künftig eine sichere Wanderung ermöglichen. Auch die Anschaffung von Gewässerrandstreifen, die für die Tiere Teillebensraum und Schutzraum darstellen und zudem die Kinzig vor Schmutz und Schadstoffen schützt, seht im Raum. Als ökologisch, klimatisch und sozial sinnvoll bewerteten die Anwesenden in ihren Gesprächen die Einrichtung von Streuobstwiesen, die von der Bürgerschaft auch gepflegt und abgeerntet werden sollen. Verhindert werden soll eine weitere Ausweisung weiterer Baugebiete in landschaftlich sensiblen Bereichen – eine Forderung, die sicher nicht von der Bahn, sondern ausschließlich vom Stadtparlament erfüllt werden kann.
Abgelehnt wurde von allen Diskussionsteilnehmenden der Vorschlag, den die Stadtverordneten im vergangenen September mehrheitlich in einen eigenen Forderungskatalog an die Bahn aufgenommen hat: Die „verkehrsmäßige Anbindung der Stadt über die Industriestraße an die A66“.

„Einen weiteren Flächenverbrauch und damit einher gehend zusätzlichen Verkehr als Ausgleichsmaßnahme für dieses Mammutprojekt halten wir für den falschen Weg“, resümieren Herchenröther und Euler im Namen der Anwesenden.

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