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Beschlagnahmte Kunst aus dem Dritten Reich: Dr. Anja Heuß überprüft Kunstwerke

am 06.02.2019

Wächtersbacher Historikerin zu Gast beim Altstadtförderverein

Wächtersbach. Es ist eine wahre Sisyphos-Arbeit, welche die in Wächtersbach lebende Historikerin Dr. Anja Heuß verrichtet: Sie ist in der Provinienzforschung tätig und prüft im Auftrag deutscher Museen, derzeit für das Goethe-Haus in Frankfurt, ob es sich bei den Exponaten möglicherweise um Kunstwerke handelt, die in der Zeit des „Dritten Reiches“ von den Nazis beschlagnahmt oder unter dem Druck der Verfolgung veräußert wurden. Beim „offenen Stammtisch mit Charakterköpfen“ des Altstadtfördervereins Wächtersbach berichtete sie über ihre Arbeit.

Bis vor kurzem war Anja Heuß für die Staatsgalerie Stuttgart tätig, dann wechselte sie zum Goethe-Haus nach Frankfurt, das derzeit die Erweiterung um ein Romantikmuseum vorbereitet. Und da durchstöbert die Wächtersbacherin die Archive und prüft die Herkunft der Kunstwerke. Dabei wartet sie nicht etwa, dass sich die Nachkommen jüdischer Familien oder politisch und ethnisch Verfolgter melden – sie geht selbst aktiv auf die Suche und bedient sich auch des Internets, zum Beispiel der Seite www.lostart.de. Grundlage ihrer Arbeit, so erklärte sie, seien die Grundsätze der Washingtoner Konferenz auf Bezug auf Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden aus dem Jahr 1998, die sogenannten „Washington Principles“. Darunter ist unter anderem geregelt, dass eine Verjährung in der Regel entfällt und dass die Fälle gütlich und einvernehmlich gelöst werden sollen. Deutsche Institutionen und Museen, so berichtet sie, würden die jeweiligen Kunstwerke in der Regel wieder herausgeben und den rechtmäßigen Erben überlassen. Im Grunde seien die Prinzipien eine „Good-Will“-Erklärung, die Bundesregierung habe sich ihr angeschlossen. Dabei könne es schon sein, dass ein Werk von Paul Klee, das Ende der 30er Jahre für 500 Reichsmark den Besitzer wechselte, heute eine Million Euro wert ist.

Wie kam sie zu dieser Arbeit? Für die Mainzer Universitätsbibliothek schrieb sie einmal einen Artikel, in dem es um antiquarische Bücher ging, dabei stieß sie auf ein „verdächtiges“ Buch aus den Abruzzen, das war ihr erster Fall. Später war sie für die Jewish Claims Conference mit Sitz in Frankfurt tätig, zuletzt für die Staatsgalerie Stuttgart und nun für das Gothe-haus. Dort hat sie jetzt einen Fall mit Bezug auf Wächtersbach/Birstein vor sich. In der Sammlung des schwäbischen Papierfabrikanten Heinrich Scheufelen befinden sich auch Gemälde, die aus abgepresstem  jüdischem Besitz stammen könnten. Scheufelen hatte sie, soviel hat Dr. Anja Heuß bereits herausgefunden, seinerzeit von einer Fürstenfamilie Isenburg (mit I) erworben. Nun versucht sie zu ergründen, um welche Isenburgs es sich handelt.

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