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Kunst- und Antiquitätenhändler Otto von Mitzlaff referierte über Roentgen-Möbel

am 13.12.2018

Der Altstadtförderverein Wächtersbach hatte erneut zum offenen Stammtisch geladen

Wächtersbach. Nach Marlies und Klaus Keßler aus Streitberg im November hatte der Altstadtförderverein Wächtersbach bei seinem offenen Stammtisch im Dezember im Altstadtcafé erneut einen interessanten Gast: den Kunst- und Antiquitätenhändler sowie Möbelrestaurator Otto von Mitzlaff aus Wächtersbach. Er wusste viel über seinen Beruf und über den richtigen Umgang mit alten Möbeln zu erzählen und ging am Rande auch auf die Kunstschreiner Abraham und David Roentgen ein, die im 18. Jahrhundert ihre erste Werkstatt auf dem Herrenhaag bei Büdingen hatten. Die Roentgen-Möbel werden Anfang des nächsten Jahres Thema eines gesonderten Vortrags sein, den von Mitzlaff auf Einladung des Altstadtfördervereins im Gartensaal der Rentkammer halten wird.

Er sei Kunsthändler und Möbelhändler, stellte der in Fachkreisen international renommierte Gast seinen Beruf kurz vor, wobei „Möbel“ auch „Kunst“ sein könnten. Künstlerische Objekte sollten „schön und erfreulich anzuschauen sein“, so von Mitzlaff. „Schöne Künste“ habe sehr viel mit Geschmack zu tun, und die Geschmackssache sei ein lebenslanges Studium. „Sich Geschmack anzueignen, kann zur Passion werden.“ Er restauriere im Prinzip alle Kunstobjekte, hautsächlich Holzobjekte. In Deutschland seien in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts leider die alten Möbel oft „hingerichtet“ und „brutal behandelt“ worden. Es gebe einen Unterschied zwischen renovieren und restaurieren, wobei er bewusst „restauriere“ und dabei besonderen Wert auf die Patina lege. Diese Patina, die alte Haut, die sich im Lauf der Zeit auf Gegenständen aus Holz oder Metall bilde, mache oft den wahren Wert eines Objektes aus. Er habe, ging der Wächtersbacher weiter auf sein Berufsleben ein, in einer Frankfurter Werkstatt mit dem Restaurieren von Biedermeiermöbeln angefangen, nach und nach seien hochwertigere Möbel hinzugekommen. Sein erstes Roentgenmöbel – einen Sekretär – habe er in London ersteigert – für 110.000 britische Pfund. Über all die Jahre hinweg habe er dann viel mit Roentgen-Möbeln zu tun gehabt.

In der Werkstatt zerlege er die Möbel zunächst, dann gehe es an die Einzelteile, wobei er dabei mit einem spezialisierten Schreiner zusammenarbeite. Man habe es da mit den unterschiedlichsten Materialien zu tun, wobei manche, zum Beispiel Elfenbein, heute gar nicht mehr verwendet werden dürften. Und auch der Umgang mit den Beschlägen, oft feuervergoldet, wobei bei diesem Verfahren hochgiftiges Quecksilber verwendet wird, wolle gelernt sein. Vieles habe er sich im „learning by doing“ selbst beigebracht. „Weil es Passion ist und Spaß macht, lernt man es auch schnell“, so der Wächtersbacher. Eine goldene Regel sei für ihn, die alte Substanz so weit wie möglich zu erhalten. Das gelte auch beim Restaurieren alter Häuser: „Macht nicht zuviel daran, alte Fachwerkhäuser halten was aus.“

Otto von Mitzlaff ging zum Schluss noch auf Abraham Roentgen und dessen Sohn David. Abraham Roentgen stammte demnach aus dem Ruhrgebiet und hatte Kunstschreiner in London gelernt. Aufgrund seiner Kontakte zur protestantischen Glaubensgemeinschaft der Herrnhuter kam er auf den Herrenhaag und eröffnete dort eine Werkstatt. „Der ganze Adel kaufte bei ihm ein“, schilderte von Mitzlaff. Roentgen gründete später noch eine Werkstatt in Neuwied, die bis zu 60 Angestellte hatte, die Hoflieferant fast aller europäischen Herrschaftshäuser wurde. Sein Sohn David spezialisierte sich auf Möbel in französischem und klassizistischen Stil, wobei er wohl auch in Konflikt zu seiner eigenen religiösen Herrnhuter-Philosophie kam: Bescheidenheit zu predigen und Prunkmöbel herzustellen passte wohl nicht ganz zusammen. In der Werkstatt in Neuwied arbeiteten nicht nur Kunstschreiner, auch andere Handwerker wie zum Beispiel Uhrmacher, die in die Möbel raffinierte Mechanikern und Spielereien einbauten. „Roentgen ist wohl wirklich das Beste, was es an deutschen Möbeln gibt“, schloss der Referent. Mehr dazu wird er Anfang nächsten Jahres berichten.

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