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Qualifizierungsmaßnahme trägt Früchte: Auszubildender bei Firma Jökel integriert

am 10.05.2018

Mit „MiA“ ein Stück mitgewachsen

Schlüchtern / Main-Kinzig. Für Tareq Al-Sulaimany ist es eine „große Chance“ gewesen, wie er heute sagt. Er gehörte zu den Ersten im Projekt „Migranten in Arbeit“, kurz „MiA“, das vor gut drei Jahren Flüchtlingen und Asylbewerbern dabei helfen sollte, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Im Frühjahr 2015 hatten mehrere Wirtschaftsverbände, die Kreisverwaltung, Arbeitsvermittler und noch einige mehr „MiA“ gemeinsam ins Leben gerufen. Al-Sulaimany – einst in Syrien als Französisch-Lehrer tätig – nahm das Angebot an und legte sich ins Zeug, um diese Qualifizierung zu durchlaufen. Heute ist er Auszubildender im zweiten Lehrjahr im Schlüchterner Bauunternehmen Jökel. „Er ist der sichtbare Beweis einer erfolgreichen Integrationsgeschichte“, sagte Geschäftsführer Stefan Jökel, als kürzlich eine Besuchergruppe im Betrieb vorbeischaute.

Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler initiierte seinerzeit das Spitzentreffen 2015. „Für uns war damals wie heute klar, dass Integration nur gelingt, wenn viele Seiten mitmachen. Vieles haben wir in kürzester Zeit gemeinsam angestoßen, von Deutschkursen bis zu verschiedenen Qualifizierungsmaßnahmen“, blickte Simmler in den Räumen des Bauunternehmens zurück. „Von ‚MiA‘ haben wir im Laufe der Zeit sicher das meiste lernen können, weil hier jeder aus seinem Bereich eigene Erfahrungen machen und direkt mit den anderen besprechen konnte. Ich glaube, wir sind mit ‚MiA‘ alle ein Stück mitgewachsen.“
Erfahrungen sammelte auch Tareq Al-Sulaimany. Er hatte seinerzeit schon kleine Fortschritte in der deutschen Sprache gemacht. Nachdem er das Qualifizierungsangebot „MiA“ angenommen hatte, bemerkte er, dass er noch eifrig dazuzulernen hatte. „Es reicht nicht, auf der Baustelle nur zu wissen, wie die Werkzeuge heißen“, sagt er. Die Grundvokabeln eignete er sich auf der Lehrbaustelle in Schlüchtern an. „Vieles lernt man dann aber im Alltag“, so Al-Sulaimany, der mit seiner Frau und vier Kindern in Bad Orb lebt.

Während seines Praktikums und später seiner dualen Ausbildung bei Jökel Bau absolvierte Tareq Al-Sulaimany parallel noch die notwendigen Kurse. Das bedeutete für ihn als Lehrling, dass er nach dem „normalen“ Berufsschulunterricht bis heute noch länger paukt als die anderen. Al-Sulaimany zeige diesen unbedingten Willen, sämtliche Prüfungen mit guten oder sehr guten Noten zu bestehen, sagte ein Mitarbeiter der Firma Jökel anerkennend.

„Wir suchen in unserem Betrieb händeringend nach Auszubildenden und haben mit Tareq Al-Sulaimany einen sehr engagierten Kollegen gewonnen“, fasste es Geschäftsführer Peter Jökel zusammen. Aufgrund der guten Erfahrung habe die Firma bereits einen zweiten Auszubildenden mit Fluchthintergrund integriert, ein dritter aus dem laufenden ‚MiA‘-Programm könnte bald hinzukommen. „Es ist toll, dass so ein Gemeinschaftsprojekt möglich gewesen ist“, findet Peter Jökel, der selbst an den Runden Tischen von „Migranten in Arbeit“ teilnimmt.

Michael Krumbe, KCA-Vorstand, bedankte sich „für den Mut aller“, auch der Handwerksbetriebe, sich auf die Unterstützung dieser Qualifizierungsmaßnahme einzulassen. Sie trage Früchte, wenn man zum einen – wie in diesem Fall – die erfolgreiche Besetzung von Azubi-Stellen verkünden dürfe, zum anderen mittlerweile „MiA“ in allen Kreisteilen sowie speziell für Frauen anbiete. Der Main-Kinzig-Kreis sei im Frühjahr 2015 seiner Zeit weit voraus gewesen.

„Viel definiert sich in unserer heutigen Gesellschaft über Arbeit“, fügte Simmler hinzu. „Wir können mit solchen Beispielen den Kritikern zeigen, dass sich das Engagement lohnt, gesellschaftspolitisch wie wirtschaftspolitisch.“ Und aus Sicht des Einzelnen lohne es sich ohnehin, wie Tareq Al-Sulaimany meinte: „Ich vergesse es nie, wie Deutschland mich damals empfangen hat.“

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