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Prof. Dr. Hans-Jürgen Becker

Heute: Wie ein Gelnhäuser Theologe im Spätmittelalter Weltgeschichte schrieb

am 13.04.2018

Kirchenrechtler Prof. Dr. Hans-Jürgen Becker stellt heute sein Buch über das Wirken des bedeutenden Gelehrten aus dem Kinzigtal vor

Gelnhausen. Konrad von Gelnhausen zählt zweifellos zu den großen Söhnen der Barbarossastadt. 1320 oder 1325 in Gelnhausen geboren, trug der spätere Theologe mit seinen kirchenpolitischen Schriften erheblich dazu bei, Weltgeschichte zu schreiben und die 1378 nach einer doppelten Papstwahl durch das Große Abendländische Schisma hervorgerufene Kirchenspaltung zu überwinden. Konrad studierte ab 1339 an der Sorbonne in Paris, erhielt 1347 ein Kanonikat am Wormser Dom, wurde 1363 zum Stiftsherrn an St. Johann in Lüttich ernannt und promovierte 1375 an der Universität Bologna zum Doktor der Rechte, bevor er 1378 als Magister der Freien Künste nach Paris zurückkehrte. 1390 verstarb der Spross einer Schöffen-Familie aus dem hessischen Kinzigtal als hoch geachteter Kanzler der Universität Heidelberg. Der Kirchenrechtler Prof. Dr. Hans-Jürgen Becker hat jetzt in der renommierten Schriftenreihe „Konziliengeschichte“ im Verlag Ferdinand Schöningh Paderbohn ein Buch über das Wirken von Konrad von Gelnhausen veröffentlicht, das er auf Einladung der Gelnhäuser Stadtverodnetenvorsteherin Pia Horst am Freitag, 13. April, 19 Uhr, im Romanischen Haus in Gelnhausen vorstellen wird.
 
Konrad von Gelnhausen griff die Vorstellung auf, nur ein Konzil könne die große Kirchenspaltung beseitigen. In seinen kirchenpolitischen Schriften entwickelte er diese Idee weiter und trug maßgeblich zum Erfolg der „konziliaren Theorie“ bei. Hintergrund: Das Große Schisma von 1378 bis 1417 spaltete die abendländische Kirche tief. Erst die Einberufung eines allgemeinen Konzils öffnete den Weg zu seiner Beseitigung. Bei der Entwicklung der zugrunde liegenden „konziliaren Idee“ spielte Konrad von Gelnhausen eine bedeutende Rolle. Prof. Dr. Hans-Jürgen Becker zeigt in seiner jetzt erschienenen Abhandlung auf, worin genau diese Rolle Konrads von Gelnhausen bestand, aus welchen Wurzeln Konrad schöpfte und wie seine kirchenpolitischen Schriften dazu beitrugen, den Weg frei zu machen für die erfolgreichen Reformkonzilien des 15. Jahrhunderts.
 
Prof. Dr. Hans-Jürgen Becker absolvierte Studium, Promotion und Habilitation in Frankfurt/Main. Sein Forschungsschwerpunkt umfasst neben dem bürgerlichen Recht Kanonistik und die Rechtsgeschichte des Spätmittelalters im europäischen Vergleich. Sein Habilitationsthema im Jahr 1972 lautete: „Die Appellation vom Papst an ein allgemeines Konzil und ihre Beurteilung durch die Kanonisten im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit“. Zur Erforschung dieses Themas verbrachte er insgesamt vier Jahre am Deutschen Historischen Institut in Rom - vor seiner Promotion zwei Jahre als Stipendiat und dann erneut zwei Jahre als Gastdozent bis kurz vor seiner Habilitation. 1980 folgte ein weiterer Forschungsaufenthalt am „Institute of Medieval Canon Law“ in Berkeley/Kalifornien. Seine Professorenlaufbahn führte Hans-Jürgen Becker von Frankfurt über Köln nach Regensburg, wo der mittlerweile emeritierte Juraprofessor als Prorektor der Universität und Dekan der Juristischen Fakultät wirkte.
 
Im Jahr 2015, zum 625. Todestag Konrads von Gelnhausen, kam Professor Becker zu einem Vortrag über Konrad beim heimischen Geschichtsverein in die Barbarossastadt. Bei diesem Anlass ergab sich auch der Anstoß zum aktuell erschienenen Buch, wie der Autor in seinem Vorwort berichtet. Beiden liegt die Bewunderung für die Bedeutung Konrads von Gelnhausen und dessen Auswirkungen am Herzen. Eine Frage, die sie sich bei der Beschäftigung mit der Bedeutung des spätmittelalterlichen Theologen aus der heutigen Main-Kinzig-Kreisstadt immer wieder stellt, lautet: „Was wäre eigentlich in Europa und der Welt passiert, wenn das aussöhnende Konzil die Kirchenspaltung nicht beendet hätte?“
 
Der Vortrag zur Buchvorstellung mit Prof. Dr. Hans-Jürgen Becker beginnt am Freitag, 13. April, um 19 Uhr, im Kaisersaal des Romanischen Hauses am Untermarkt in Gelnhausen. Der Vortrag trägt den Titel: „Kirche in der Krise. Lösungsansätze von Konrad von Gelnhausen“ und geht auch der Frage nach, ob Konrad als Vorläufer von Martin Luther gesehen werden kann.

Der Eintritt ist frei. Die Organisatoren bitten um die Reservierung von kostenlosen Platzkarten für die Buchvorstellung unter der E-Mail-Adresse pia.horst@t-online.de. Weitere Informationen zum Buch finden Interessierte unter www.schoeningh.de. Das Buch kann am gleichen Abend erworben und signiert werden.

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